Projekt Virtuelle Pfeifenorgeln 

 

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Caimari organ - Palma, Mallorca (1702)

Convent de la Mare de Déu del Socors (Sant Agusti)

 

Die große dreimanualige Orgel der Augustinerkirche in Palma wurde den Brüdern Damian und Sebastian Caimari, die Mitglieder einer berühmten, im 17. und 18. Jahrhundert tätigen Mallorcinischen Orgelbauerfamilie waren. Diese für die Augistiner auf Mallorca gebaute Orgel ist ihr größtes und zugleich besterhaltenes Werk. Unter den historischen Orgeln nicht nur Mallorcas, sondern der gesamten spanischen Halbinsel gilt dieses Instrument als die einzige dreimanualige Orgel, die in ihrer usprünglichen Form unverändert erhalten blieb. Man mag das kaum glauben, aber die Autorität von Gerhard Grenzing, der dieser Meinung ist, steht außer Zweifel.

Er ist wohl der mit Abstand erfahrenste Kenner spanischer Orgeln. 1699 wurde das in der Innenstadt von Palma neuerbaute Augustinerkloster vollendet. Die reiche Ausstattung der Klosterkirche, insbesondere die 1,36 m hohe Alabasterstatue der Jungfrau Maria aus dem 15. Jahrhundert, wird noch heute bewundert. Nach Fertigstellung der Gebäude war es an der Zeit, eine Orgel anzuschaffen. Der Vertrag zwischen dem Abt des Klosters und den Orgelbauern wurde am 12. Juli 1702 unterzeichnet; eineinhalb Jahre später, eventuell am 13. November 1703, war die Orgel fertig. Das Instrument vom Typ einer Schwalbennest-Orgel hängt hoch oben an der Südwand der Kirche. Hinter dem Prospekt mit z. T. getriebenen Pfeifen verbirgt sich eine ungewöhnlich reichhaltige Disposition. In den beiden symmetrischen Seitenfeldern der Fassade stehen die größten Prospektpfeifen. Der kleinere Prospekt des Rückpositivs (Cadireta) ergänzt die Orgelanlage mit dem Hauptgehäuse, das das Hauptwerk (Orgue Major) und das Oberwerk (Orgue d'alt) enthält. Das Oberwerk ist mittig über dem Hauptwerk angeordnet. Eine ungewöhnliche Eigenheit der Disposition sind die beiden 8´-Principale des Hauptwerks. Da jedes dieser beiden Register auf jeweils einer Seite des symmetrischen Prospektes steht, ergibt sich ein unerwarteter Stereo-Effekt: Ein Principal kommt für den Zuhörer von links, der andere von rechts. Auch die 4´-Lage ist mit zweimal Octave (4´) doppelt besetzt. Darauf baut sich der weitere Principalchor mit Dozena (2 2/3´), Quinzena (2´), Alemanya (1 1/3´) und Simbalet (1/3´) auf. Die mehrchörigen Cornette Nasardos, Tolosana und Cornetila dienen dem Spiel von Solostimmen oder - im Sinne einer etwas "moderneren" Verwendung - zur Verstärkung der horizontalen Zungenregister. Diese Trompeteria wurde später, vermutlich 1755, hinzugefügt. Als deren Erbauer kommt Jordi Bosch wohl kaum in Betracht, da er zu diesem Zeitpunkt zu jung war. Stattdessen wird vermutet, daß sie von Gabriel Thomás stammen könnte; dafür sprechen spezifische technische Übereinstimmungen einigen seiner anderen Orgeln. Das Oberwerk (Orgue d'alt) ist als Kontrast zum Hauptwerk gedacht, insbesondere als Echowerk. Aber wegen der Register Cromorn und Tolosana kann es auch für solistisches Spiel genutzt werden. Das Rückpositiv (Cadireta) ist auf Flautat (Principal) 4´ aufgebaut; es kann solistisch - z. B. mit Nazard - oder im Dialog mit den anderen Werken verwendet werden. Die Orgel blieb nach Hinzufügen der Trompeteria vor weiteren Umbauten bewahrt und präsentiert sich deshalb seitdem in ihrem originalen Zustand. Gerhard Grenzing orientierte seine Restaurierung in den Jahren 1969-1970 an der historischen Substanz. Die Orgel ist gut gepflegt und erklingt in vielen Konzerten.

   
Wir sind dem Augustinerkonvent und insbesondere Don Baltasare Ramis, der uns während der Aufnahmen bereitwillig unterstützte, zu Dank verpflichtet.

Literaturhinweise:

  • Stuart Frankel: A comparison between the Palma and the Santanyí organs, on-line article.
  • A Mulet - A. Reynés: Orgues de Mallorca. Palma: Olaneta, 2001.
  • F. C. Moreno: Iglesia de Ntra. Sra. del Socorro. Madrid: Escurialenses, 1998.
  • A. Mulet: Aproximació a l'estudi dels Caymaris organers. In: Il Simposium sobre els Orgues Historics de Mallorca. Inca 1995. Palma, 1996.