Projekt Virtuelle Pfeifenorgeln 
Projekt  Orgeln  Features  Bestellung  Links  Kontakt 

Willkommen auf den Seiten der virtuellen Orgeln von SONUS PARADISI

Das Projekt Sonus Paradisi zielt darauf ab, den Klang alter und bedeutender Kirchenorgeln in der  Tschechischen Republik zu archivieren und sie für Software Sampler wie Hauptwerk verfügbar zu machen. Damit werden den Nutzern spielbare "Klangbilder" originaler Instrumente angeboten. Der Klang jeder einzelnen Pfeife wird aufgenommen und in eine Datenbank übertragen. Diese Datenbank ist für wissenschaftliche Untersuchungen frei verfügbar. Wir wenden eine Raumklang-Aufnahmetechnik an, mit der alle Charakteristika des Klangs festgehalten werden. Dazu gehören vor allem der Kirchennachhall (Akustik) und kleine Windschwankungen der Pfeifen, aber auch geringfügige Unausgewogenheiten mancher Pfeifen und Ähnliches. Nach unserer Überzeugung macht dies alles die "Präsenz" des Klangs aus. Das Hauptanliegen ist, ein möglichst getreues Klangbild der Instrumente zu schaffen und für die Zukunft zu erhalten.

Mit dem Projekt werden also drei Ziele angestrebt, nämlich

  • Dokumentation : den Klang der historischen Orgeln digital zu archivieren und damit festzuhalten.

  • Praxis:  anspielbare virtuelle Orgeln für Organisten und andere Interessierte anzubieten. Diese digitalen Dokumente sind einsetzbar, indem eine virtuelle Orgel über ein an den PC angeschlossenes und mit MIDI ausgerüstetes Instrument gespielt wird.

  • Verbreitung: mit den virtuellen Instrumenten auf die originalen Instrumente aufmerksam zu machen. Mit den Dokumentationen wollen wir die historischen Orgeln wieder in den Blickpunkt der Öffentlichkeit rücken und vielleicht auch Sponsoren für Restaurationen dieser Orgeln finden. Ein Teil des Verkaufserlöses wird für den Erhalt der Orgeln eingesetzt.

Details der Digitalisierung

Wir wenden eine Technik langer Aufnahmen (in der Regel 6-11 Sekunden je Pfeife) im originalen Kirchenraum an. Dazu setzen wir eine Stereo-Aufnahmetechnik ein, die in einer französischen Rundfunkgesellschaft entwickelt wurde, die sogenannte ORTF- Norm. Gelegentlich werden auch andere Aufnahmetechniken angewendet (Nah- und Multikanalaufnahmen). Für die Aufnahmen steht eine hochqualitative Ausrüstung von Apogee, AKG, Digidesign, R.M.E. und Schoeps zur Verfügung, sodass eine hohe Klangtreue erreicht wird. Nach unserer Auffassung besteht die Schönheit dieser Instrumente auch in ihren kleinen Unregelmäßigkeiten im Klang. Deshalb wollen wir die klanglichen Eigentümlichkeiten jeder Pfeife, besonders die Fluktuation in der Lautstärke und der Tonhöhe, aber auch An- und Abblasgeräusche und Windgeräüsche genauestens festhalten.

In einigen Fällen wurden mehrere Aufnahmen derselben Pfeife vorgenommen, sodass der Klang noch lebendiger wird. Dies nennen wir die "multi-sampling"-Aufnahmetechnik. Sowohl die Geräusche der Traktur und des Gebläses wie auch die "Tiefe" des Instruments (z.B. die unterschiedliche Anordnung von Hauptwerk und Pückpositiv) werden in der Aufnahme festgehalten. Wir meinen, dass der Höreindruck unserer Aufnahmen dem vom Original vermittelten Höreindruck sehr nahe kommt.

Da Fremdgeräusche das größte Problem beim Sampling bilden, ist es unser wichtigstes Bestreben, in den Samplesets den originalen Klang so detailgetreu wie möglich und von Fremdgeräuschen befreit wiederzugeben. Über die Jahre haben wir geeignete Verfahren (Mehrschritt-Methode) zur Unterdrückung von Fremdgeräusch entwickelt, das es uns erlaubt, unsere Samplesets “noiseless” zu nennen und unseren Samplesets einen sehr natürlichen und gleichzeitig sauberen Klang verleiht.

Das Verhältnis vom originalen Instrument zu seiner digitalen "Kopie"

Zur Beziehung des originalen Instrument zu seiner digitalen "Kopie", also seinem Sampleset ist zu bemerken, dass die digitale "Kopie" eines Instruments kein Ersatz des echten Instruments sein kann. Tatsächlich ist die Verbindung zwischen dem Original und seiner digitalen "Kopie" sehr schwach. Die digitale "Kopie" ist nur ein Modell ihres Originals auch wenn es den Klang sehr detailiert und genau festhält. Um es philosophisch auszudrücken, es besteht ein substantieller Unterschied zwischen Original und Digital. Nichtsdestotrotz muss deutlich gemacht werden, dass unsere Aufnahmetechnik eine fortgeschrittene ist. Tatsächlich hören wir Menschen nämlich zwischen Originalaufnahmen und virtuell erstellten meistens keinen Unterschied. So repräsentiert ein hochqualitatives Sampleset die Klang-Qualitäten des Originalinstruments gleichsam sehr gut. Folglich ist das Sampleset auch eine Unterstützung des Originalinstruments wie es auch verschiedene Musik CD-Aufnahmen sind.

Eine Analogie zu dem Verhältnis Digital-Original besteht wohl in der Beziehung zwischen einer Fotographie und dem fotographierten Objekt. Diese Einschätzung erwuchs für mich aus der Beteiligung an der Digitalisierung unseres Kulturerbes durch die "Academy of Sciences" . Heute ist man sich weitgehend darüber einig, dass die "digitale Kopie" ein anderes Produkt ist als das Original (wie z. B. ein historisches Manuskript, ein Buch, oder ein Orgelklang...). Es ist ein Produkt eigener Art, es ist auch ein Modell, das soweit wie möglich die Eigenschaften des Originals nachbilden soll, es ist aber auch ein eigenständiges, neues Produkt. Bei den Orgeln neigen die Sampleset-Hersteller immer wieder dazu, das Original virtuell zu “verbessern”, indem sie etwa Verstimmungen oder schlechte Intonation des originalen Instruments ausmerzen, sodass das Sampleset deutlich besser klingt als das Original.
Andererseits gibt es "Dimensionen" des originalen Instruments, die in der Aufnahme nicht wiedergegeben werden können. Der Klang erscheint besonders wegen der endlichen Anzahl der Samples und der digitalen Verarbeitung "sauberer", deshalb aber auch weniger abwechslungsreich als das Original. Auch wegen des “ Ambiente” (nämlich der Kirche) ist der Originalklang immer lebendiger. Das folgt schon daraus, dass es sehr viele verschiedene Standorte in der Kirche gibt, von denen aus das Instrument gehört oder aufgenommen werden kann, aber keiner dieser Standorte ist der "einzig wahre". Auch wenn in einer Kirche die Orgel gespielt wird und der Zuhörer währenddessen in der Kirche umhergeht, oder auch wenn er nur ein wenig den Kopf dreht, ändert sich seine Wahrnehmung des Klangs. Alles dieses kann nicht feindetailliert reproduziert werden – und doch gibt es einige Details des Originals, die im Modell guten Gewissens weggelassen werden oder auf die besser zu verzichten ist. Weitere Erklärungen hierzu sind in den Überlegungen über die Realität von Samplesets zu finden.

Wenn Sie ein Sampleset eines bestehenden Instruments erwerben wollen, ist das also keinesfalls damit vergleichbar, das originale Instrument in Ihr Wohnzimmer zu stellen! Wenn das Sampleset in einem Wohnraum gespielt wird, ist es auch nur bedingt berechtigt zu behaupten, dies wirke wie ein Spiel in der Kirche. Das hat nichts mit der Datenerfassung zu tun, sondern liegt in der unterschiedlichen Natur des Originals bzw. seiner digitalen "Kopie" begründet. Ein einfaches Beispiel dazu: Der Käufer eines Sampleset der Antegnati Orgel wird nicht das Antegnati-Instrument selbst zuhause haben, sondern nur ein Modell besitzen. Trotzdem ist es keine schlechte Idee, ein Modell zuhause zu haben, zumal der Quiz zur Authenzität der Aufnahmen belegt, dass Aufnahmen, die mit dem virtuellen Instrument gemacht worden sind, sich sehr schwer von Aufnahmen der echten Orgel unterscheiden lassen.

Ein persönliche Anmerkung

Ich betracht die Methoden einiger anderer Hersteller als ziemlich aufdringlich, wenn sie versuchen, ihre Produkte stets seriös und perfekt aussehen zu lassen. Dies ist nicht wissenschaftlich, sondern nur kommerziell begründet. Nur kommerzielle Produkte müssen stets als perfekt präsentiert werden, die echten Produkte aber nicht. Als Wissenschaftler habe ich einen kritischen Abstand zu meiner Arbeit und weiß von ihren Grenzen (die manchmal sogar bewußt gesetzt sind). Deswegen bin ich fest gewillt, meine Arbeit konstruktiver und fundierter Kritik zu öffnen. Dazu brauche ich Rückmeldungen der Nutzer - Ich gewinne daraus viel Erfahrung! Bitte, zögern Sie nicht, mir Ihre Kritik mitzuteilen. Letztendlich soll dieses Hauptwerk-Abenteuer auch viel Freude bereiten.

Autor
Der Autor ist Mitglied der Gruppe für Dokumentation und Erforschung des Kulturerbes Tschechiens der Academy of Sciences der Tschechischen Republik (Institut für klassische Studien).